W.U.T konkret
Positionen & Visionen
NACHHALTIGE STADTENTWICKLUNG (IM GROßEN UND AUCH IM KLEINEN)
Eine nachhaltige Stadtentwicklung hat die schwierige Balance zu halten, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bürger (Wohnung, Arbeit, Einkauf, Mobilität, Sport, Kultur, Unterhaltung, Verkehr) ihren Raum so zuzuweisen, dass die Lebensqualität der Stadt insgesamt gefördert wird.
Mit Respekt vor dem historischen Erbe muss auch Modernität (Wohnstandards, Energetische Sanierung, Architektur) in Tübingen einziehen dürfen. Gemeinderat und Verwaltung sollten ihre Planungshoheit dabei nicht von wirtschaftlichen Interessen einschränken lassen. Sie sollten die "Planungshoheit" aber auch nicht auf die Spitze treiben. Sonst fragt sich jeder Investor und Bürger: Was soll ich hier, wenn ich für jeden kleinen Schritt eine Einzelgenehmigung brauche und nie weiß, wie viel mich das am Ende alles kostet und wann ich fertig werde? An konkreten Beispielen der letzten Jahre ist für den gesunden Menschenverstand meist sehr schnell klar, wo die Stadt zu weit ging oder wo der Investor selbstherrlich agieren wollte. Tübingen ist zum Glück eine so überschaubare Stadt, dass Gemeinderäte im Einzelfall auch einmal helfen können, zwischen Verwaltung und Bürger zu vermitteln.
Die "Stadtentwicklung im Kleinen" bestimmt in vielen Facetten genauso über die Lebensqualität in Tübingen: Man lebt hier eng aufeinander und Spielregeln müssen gefunden werden. Ist die Altstadt eine "Alles-geht-Partyzone" oder "Schlaf-Stadt-mit-absolutem-Ruhebedürfnis"? Pflastern wir jeden Quadratmeter vor den Läden mit Werbeaufstellern (Passantenstoppern) zu oder verwandeln wir Tübingen in ein klinisch sauberes Museumsdorf und können dann nur noch städtisch bezuschusste Museumsshops in der Innenstadt überleben? In solchen Konfliktfällen hat es sich als erfolgreich erwiesen, mit den Betroffenen (z.B. Bürgerinitiative Altstadt, den Läden und Gaststätten, HGV) im Dialog Kompromisse zu finden.
Danach ist allerdings die Verwaltung dran, die Einhaltung der Spielregeln auch durchzusetzen. Hieran hapert es oft noch. Sonst endet alles in diesem ewig aufgewärmten Streitereien, unter dem Tübingen leidet.
Und noch so ein ewiges Thema: Tübingens Kopfsteinpflaster ist schön, aber für ältere Menschen mit Rollatoren, für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer brauchen wir richtige Fahrstreifen und die durchgängige Entfernung der Randsteinstufen.
Einige Beispiele der nachhaltigen Stadtentwicklung im Großen und im Kleinen anhand aktueller Fragen im Gemeinderat:
- Bezahlbare Einfamilienhäuser und Wohnungen: Tübingen braucht Bauplätze für Einfamilienhäuser, damit Familien in Tübingen bauen können und nicht ins Umfeld abgedrängt werden.
- Die Sanierung der Altstadt könnte viel neuen Wohnraum schaffen. Durch die Ausweisung eines Sanierungsgebietes ist das für die Hausbesitzer steuerlich begünstigt worden. Jetzt gilt es, für diese dringend erforderlichen Arbeiten an der maroden Bausubstanz aktiv zu werben und zögerliche Hausbesitzer nachhaltig zum Handeln zu ermutigen. Sanierungswillige Hausbesitzer müssen zudem auf einem überschaubaren und wirtschaftlich kalkulierbaren Weg durch den Genehmigungsdschungel geführt werden (Baurecht, Denkmalauflagen, Brandschutzanforderungen, Stadtbildsatzung etc.). Die Innenstadt ist ein ideales Wohnquartier für Familien und auch für ältere Menschen, wenn der vorhandene Wohnraum (energetisch und im Wohnkomfort) saniert wird.
- Wieso hören wir eigentlich gar nichts mehr von der Silcherschule? Ein idealer Standort und ein schönes Gebäude, am Eingang zur Altstadt, mit Schulen, Kindergärten und allen Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Bevor der Stadt da am Ende nichts besseres einfällt, als es "aus Verzweiflung" zum Abriss freizugeben, unser Vorschlag: Das Gebäude für 1 € an die GWG verkaufen, mit der Auflage Wohnungen für kinderreiche Familien mit geringem Einkommen zu schaffen. Wozu haben wir eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft?
- Erhalt innerstädtischer Grünflächen: Die vernünftige Politik, zunächst Baulücken zu schließen, bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden, darf nicht dazu führen, dass die wenigen öffentlichen Freiflächen in Tübingen alle zugebaut werden. Dies gilt besonders für den Bärenspitz: Kein teurer Rückbau der Waldhäuser Straße, kein Wohnungsbau am Bärenspitz.
Übrigens: Solche Grünflächen gehören "möbliert" (Bänke, Mülleimer etc.). Das kostet wenig und wertet die Wohnbezirke auf.
- In einer guten Aktion wurden in den vergangenen Monaten in Stadtteil-Begehungen mit den Bürgern gemeinsam Probleme und Lösungen für das Erscheinungsbild und die Lebensqualität gesammelt. Die Stadt hatte versprochen, dass einfache Dinge auch schnell umgesetzt werden. Bisher merken wir noch nicht viel.
- Der öffentliche Raum für Jugendliche: Jugendliche brauchen Treffpunkte, in denen sie auch Ansprechpartner für Ihre Probleme finden. Das Problem "Komasaufen" ignorieren gleichermaßen diejenigen, die unrealistisch ein absolutes Alkoholverbot im Freien fordern wie jene, die in konfliktscheuer Laissez-faire Manier eher gar nichts tun wollen. Neben den geforderten Treffpunkten sind vereinbarte und durchgesetzte klare Spielregeln sowie der Ausbau der mobilen Jugendarbeit der richtige Weg.
- Dreckecken und Schandflecken: Wenn Bürger die Stadt auf die Dreckecken ansprechen, kommt meist als Antwort: "Ja, das haben wir doch vor einigen Jahren schon einmal weggemacht." Wir sehen das eher wie das Füßewaschen: Manches muss man halt von Zeit zu Zeit wiederholen. Sonst stinkt es (den Bürgern) und Besucher fühlen sich in Tübingen auch nicht wohl.
- Die Exzellenzinitiative und das "UFO" Universitäts-Campus: Tübingen wird von seiner Universität geprägt. Ihr Niveau und ihr "exzellentes" Angebot an die Studenten und Forscher bestimmen Tübingens vitale oder eben mickrige Zukunft.
Das geplante Prestigeprojekt Uni-Campus, das sich wie ein riesiges UFO alles plattmachend über der Wilhelmstraße und seiner Umgebung niederlassen soll, wird die W.U.T. nicht einfach so durchwinken. Alle bisher bekannt gewordenen Pläne deuten auf den Abriss vieler bedeutender alter Gebäude. Alles ein Missverständnis? Wir empfehlen, dass die Universität sehr schnell und sehr offen kommuniziert, was sie wirklich plant.
Wir helfen unserer Universität gerne, den Irrweg der Verzettelung der Institute und die langen Wege für die Studenten zurückzudrehen. Wir unterstützen auch moderne Architektur neben Historischem. Universität und die Stadt müssen hier gemeinsam und sehr bürgeroffen planen.
| zurück |
